Politikzauber: von vergebenen Chancen

Eigentlich meide ich es mich zur Politik zu äußern, da ich dafür – einmal abgesehen, dass ich als Wähler auch mündig bin – nicht immer kompetent sein kann. Aber die Nachricht die heute Nacht über den Ticker ging, muss uns alle beschäftigen und sie fällt damit in mein Fachgebiet Kultur und Bildung.

Es ist unabweisbarer Fakt, dass die Sondierungsverhandlungen um eine sogenannte Jamaika-Koalition gescheitert sind. Die FDP hat dies verlauten lassen und Hochachtung hat sie verdient, wenn sie ihre Ideale verletzt sieht. Peitschen sollte man sie dafür nicht, das ist nicht fair, aber man muss die Frage an die Damen und Herren stellen, ob sie den Verstand verloren haben und ernsthaft glauben, dass ihr Demokratieverständnis statthaft sei. Indirekte Demokratie bedeutet schlicht, dass Politikerinnen und Politiker immer den Willen ihres Souverän im Auge behalten müssen, ob es ihnen gefallen möge oder eben nicht. Das zu lernen und zu akzeptieren möge nicht leicht sein, aber die Diktatur des Faktischen ist hier unabweisbar.

In Panik zu verfallen braucht wohl niemand, denn die Demokratie auf deutschem Boden, wie sie der Bonner Republik entwachsen ist, hat immer gezeigt, dass sie mit sogenannten Krisen klar kommen kann. Naja, dann eben nicht. Die Sondierungsverhandlungen waren kein Zuckerschlecken, freilich, aber man hätte noch vor wenigen Stunden glauben können, dass alles an der faktischen und nummerischen Wahlverliererin, der CSU, scheitert könnte. Man hat sich hier getäuscht. So etwas muss man wohl Theaterdampf nennen. Ich wünsche der FDP mehr Demut.

Für alle Demokratinnen und Demokraten in diesem Land, die wissen, dass Demokratie immer Konsens heißen muss, woran kein Weg vorbeiführt, ist das eine schwere Stunde, da Geklüngel über Verantwortung gestellt wird. Man wird sehen…

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