Von der eigentümlichen Lust am Schrecken

Der Beitrag erschien ursprünglich bei der lesenswerten Online-Zeitschrift etc. Magazin ist aber von dort seit einem Update offensichtlich verschwunden. Die Ausstellung war wundervoll und der Katalog ist soweit ich weiß noch zu haben:

„Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien widmet sich in ihrer aktuellen Winterausstellung der Faszination und Schönheit des Schrecklichen in Darstellungen von der Renaissance bis zum Klassizismus.

Es ist ein altes, aber dennoch nach wie vor aktuelles Paradoxon, das als Leitmotiv die klassisch gestaltete Ausstellung in den Räumen der Gemäldegalerie der Wiener Akademie am Schillerplatz durchzieht. Jeder Fan von Horrorfilmen oder Kriminalromanen kennt es und sogar schon die Denker und Dichter der Antike haben sich mit ihm am Beispiel der Tragödie auseinandergesetzt. Die Rede ist von jenem paradoxen Faszinosum, dass Darstellungen von furchterregenden Begebenheiten nicht nur Entsetzen im Betrachter oder Leser auslösen, sondern ihn ganz im Gegenteil hierzu faszinieren, erfreuen oder sogar vergnügen können. Diese Beobachtung lässt sich selbst an den großen Klassikern der Literaturgeschichte nachvollziehen. So viel Mühe sich beispielsweise Dante in seiner Divina Commedia macht, die Schönheiten der himmlischen Gefilde zu schildern, uns Leser faszinieren die abgründigen Darstellungen der Hölle dennoch mehr.

Ganz diesem eigentümlichen Gefühl verpflichtet, beginnt die Ausstellung bereits mit einem besonderen Clou. Nur drei Exponate sind es, die im ersten Saal, quasi auratisch, präsentiert werden. Sie dienen dabei nicht nur als „Augenöffner“, die den Besucher gleich zu Beginn in ihren Bann ziehen, sondern auch als Ikonen der Kunstgeschichte, die einen historischen Raum der Rezeption visuell mitverfolgen lassen. Auf das von Peter Paul Rubens virtuos gestaltete Haupt der Medusa, die Medusa Rondanini und die berühmte Laokoon-Gruppe (ein Gipsabguss des im Vatikan befindlichen Originals aus der archäologischen Sammlung der Karl-Franzens-Universität Graz) folgen sechs thematisch, wie räumlich voneinander getrennte Sektionen mit den Titeln „Laokoon und die Folgen“, „Der Tod kann kommen“, „Und schleuderte ihn in den Tartaros“, „Starke Frauen“, „Naturgewalt, Erhabenheit und Größe“ und „Die dunkle Seite“.

Die dank ihrer hochkarätigen Exponate sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 15. März 2015 zu sehen. Ein reich bebilderter und mit einem Aufsatz von Matthias Oberli versehener Katalog zur Ausstellung ist um 29€ erhältlich.“