Eine unanmaßende Weihnachtsbotschaft

Foto_Weihnachten_(c) Simon Haasis

Liebe Freundinnen und Freunde,

liebe Mitmenschen,

anstatt Ihnen und Euch nur die üblichen Wünsche für besinnliche, stressfreie und vor allem friedliche Feiertage, die uns nun wie alljährlich ins Hause stehen von Herzen zu übermitteln, möchte ich doch auch ein wenig darüber grübeln, was wir da eigentlich feiern.

Ich bin kein Theologe, kein Gläubiger, ja noch nicht einmal einer, der zum Häretiker taugt, sondern einfach nur ein Mensch, der sich keiner Religion und damit selbstverständlich keiner institutionalisierten Religionsgemeinschaft zugehörig fühlt. Das liegt aber freilich weder an den Religionen noch an den institutionalisierten Religionsgemeinschaft, sondern schlicht bei mir selbst. Dennoch: wer sich mit Weihnachten, von welcher Basis auch immer auseinandersetzt, der kommt um dessen Bedeutung nicht herum!

Meine Gedanken kreisen in diesem Jahr um ein Bildmotiv bei Giotto di Bondone, der dieses wohl erfunden hat, und eine beeindruckende Komposition für Chor a-capella auf ein Weihnachtsgedicht von Conrad Ferdinand Meyer des Komponisten Arnold Schönbergs. Sosehr das Bildmotiv von Giotto weiterhin eine Welle von Verkitschung erfahren und auch Traditionen mit begünstigt hat, sosehr ist dies dem Chorstück Schönbergs versagt geblieben. Vielleicht illustrieren diese Vorgänge unseren gesamten Umgang mit der Weihnachts-Legende, wie sie in Lk 2, 1–20 erzählt wird und damit auf das, was an Weihnachten als Anachronismus gefeiert wird. Viel bedeutsamer erscheint das, was wir aus dieser Erzählung machen als das, was da wirklich steht – und dies ist auch gut so. Dabei gestatte ich mir einmal zu vergessen, dass Legende im Wortsinn soviel bedeutet, wie „das, was zu lesen ist.“

Giotto ist der erste Künstler, der prominent einen Stall in die Weihnachtserzählung einbaut. Vorher ist von diesem noch nicht einmal die Rede, denn in Lk 2, 7 ist von einem Stall kein Wort zu lesen. Freilich ist der Einspruch aber gerechtfertigt, dass die griechische Fassung des Textes in der Verwendung des Terminus‘ für Herberge nicht eindeutig ist, aber diese Frage überlasse ich theologischen Hermeneuten und Sprachexperten. Ein Stall kann freilich angenommen werden, was aber in heute erhaltenen, wie prominenten Lesarten wohl kein Thema war. Dieser Stall aber machte Karriere und was für eine, denn er ist aus weihnachtlicher Kunst und Kitsch nicht wegzudenken.

Was allerdings entbehrlich scheint, ist das Gedicht von Meyer und die Vertonung durch Schönberg – allein deshalb, weil sie zum Hit aus Gründen der Aufführungsschwierigkeiten nicht taugt -, die eine Deutung des „Friede auf Erden“ geben, die die Wichtigkeit dieser Worte unterstreicht. Ich habe mich hin und wieder gefragt, warum es der pastoralen Theologie immer so derart wichtig war zu betonen, dass die Hirten auf dem Feld, denen eine Schar von Engeln erscheint, arm seien. Das scheint mir unnötig, denn der Inhalt des Geldbeutels der Hirten tut nun wirklich nichts zur Sache, wichtiger ist doch, dass sie eine Gruppe von Menschen sind, die diese wichtige Friedensbotschaft hören können; sie demnach überhaupt als einzige mitbekommen. Das liegt doch daran, dass sie auf dem dunklen, stillen Feld sich befinden.

„Stille“ ist das Stichwort, dass aus einer gewöhnlichen Nacht, jene „Stille Nacht“ macht, die seit 200 Jahren besungen wird. Ich wünsche uns allen jene Stille in Herz und Verstand, die die Hirten einst um sich hatten, um unsere Gedanken zu sortieren und vielleicht einmal der Friedensbotschaft in uns zu lauschen. „Friede auf Erden“ ist möglich, aber vielleicht nicht wünschenswert, vielleicht….

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