Hegels Philosophie in Kürze?

cover_hegels philosophie (c) chbeck

Die Philosophie bzw. das Philosophieren bedeutender Denker*innen auf rund 130 Seiten einführend zu umreißen, gestaltet sich schon bei einem Œuvre geringeren Umfangs als so schwierig wie die Quadratur des Kreises umschreiben zu wollen. Wenn es sich nun um den philosophischen Überjahresregenten des letzten und unrund diesen Jahres Georg Wilhelm Hegel (1770–1831) handelt, dann scheint dies fast unmöglich zu sein.

Günter Zöller hat sich in Hegels Philosophie. Eine Einführung an diese Aufgabe gewagt und sie im Großen und Ganzen sehr zufriedenstellend bewältigt. Ihm ist ein kurzer und knapper, vor allem der Reihe C.H. Beck Wissen angemessener Überblick gelungen, der sich zurecht als Einführung bezeichnen darf. Dennoch muss sich das Buch nicht vor fachkundigen Leser*innen verstecken, da das griffige Format seiner Präsentation zu überzeugen vermag. Er stellt knapp dar ohne dabei sinn- und nutzlos zu verkürzen.

Ein ungutes Bauchgefühl bleibt mir nach der Lektüre des Buches in Bezug auf einige Kleinigkeiten, die eher weniger die Vermittlung der Philosophie Hegels betreffen als vielmehr Aspekte und Usuarien der biographischen und genealogischen Darstellung, die dann doch wiederum auf die Vermittlung der Philosophie ungünstig zurückwirkt. Gelingt es in der Einleitung „Zwischen Revolution und Restauration“ Zöller geschickt als Menschen, Denker und Leser zwischen Aufklärung und Ancien Régime, Antike und Moderne und Revolution und Reform zu positionieren, so erzählt er Hegel in „Das Leben und das Werk“ als frühen, mittleren und späten Hegel. Dies ist freilich nicht falsch, aber es ist erstaunlich, dass im Fall des Philosophen, dessen Ideen großen Einfluss auf die geschichtsphilosophische Debatte bis heute hat, über einen solchen Usus zur Beschreibung einer bedeutenden Persönlichkeit derart hinweggegangen wird. Hier scheint Zöller schlicht einer Gewohnheit erlegen zu sein, die heute so unhinterfragt nicht unkommentiert bleiben sollte – gebe es auch noch so starke Argumente dafür. Ein weiterer Wermutstropfen scheint mir, dass das siebte und letzte Kapitel mit 3 ½ Seiten leider viel zu knapp bleiben muss. Die Frage nach „Hegel heute“ braucht nicht nur viel Raum, sondern hat ihn nicht zuletzt aufgrund des Jubeljahres auch verdient.

Diese eher kleinen Kritikpunkte beiseite lassend, bietet Günter Zöllers Hegels Philosophie. Eine Einführung eine brauchbare erste Einführung um das Schaffen des Philosophen Hegel nach deren Lektüre dann erst richtig kennenlernen zu können. Muss eine Einführung in diesem Fall mehr leisten?

Günter Zöller: Hegels Philosophie. Eine Einführung, München 2020 (= C.H. Beck Wissen 2912).

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